«Grademix» in der Langzeitpflege und mögliche Einflussfaktoren

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Der Bedarf an Pflege- und Betreuungspersonal wird bis ins Jahr 2025 landesweit um 20% ansteigen. Um das vorhandene Pflegepersonal zu halten und dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wird im Rahmen eines Forschungsprojekts die gelingende Zusammenarbeit von Pflegepersonen unterschiedlicher Qualifikationen näher betrachtet.

Im Vergleich zu anderen Berufsfeldern zeichnet sich im Gesundheitswesen der mit Abstand grösste Fachkräftemangel ab. Durch die Alterung der Bevölkerung zeigt sich der grösste Bedarf an Pflege- und Betreuungspersonal in der stationären und ambulanten Langzeitpflege. Im Rahmen einer Kooperation der Schweizer Hochschulen Gesundheit zur Entwicklung eines Kompetenzzentrums gegen den Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen entwickelt das Teilprojekt «EQUI – Grademix und Diversität im stabilen Gleichgewicht» evidenzbasierte und bedarfsgerechte Konzepte, welche die Qualitäts- und Kosteneffekte in der ambulanten und stationären Langzeitpflege aufzeigen sollen.

Dazu wurden in elf Betrieben der deutsch- und französischsprachigen Schweiz vierundzwanzig Einzelinterviews mit Personen aus dem Pflegemanagement geführt. Dabei wurde erfragt, wie der Grademix im jeweiligen Betrieb umgesetzt und durch welche Faktoren er beeinflusst wird. Zudem wurde in den Interviews in Erfahrung gebracht, wie sich der Grademix in Bezug auf die Pflegequalität und Kosten steuern lässt.

Den kompetenzgerechten Einsatz des Pflegepersonals fördern

Als förderlich für die Umsetzung des angestrebten Grademix wurde in den Interviews das Vorhandensein von Stellenbeschreibungen, Funktionsbeschreibungen und Kompetenzkatalogen für alle Qualifikationsstufen genannt. Dies hilft, dass das Pflegepersonal gemäss seinen Fähigkeiten und Kompetenzen eingesetzt wird und seine Ressourcen bestmöglich nutzen kann. Gleichzeitig können die Mitarbeitenden durch die klare Aufgabenzuteilung psychisch und physisch entlastet werden. Die Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung nehmen die Befragten ebenfalls als wichtig wahr, da diese der Kompetenzerhaltung und -erweiterung dient.

Als grösstes Hindernis für die Umsetzung des angestrebten Grademix werden Rekrutierungsschwierigkeiten genannt. Zum Teil können offene Stellen über Monate nicht besetzt werden. Die Rekrutierung gestaltet sich dabei umso schwieriger, je höher die Qualifikation der gesuchten Pflegeperson sein muss. Ein weiterer erschwerender Faktor sei auch die steigende Pflegekomplexität. Deshalb wünschen viele der Befragten mehr diplomiertes Pflegefachpersonal anstellen und die Personalzusammensetzung entsprechend anpassen zu können. Doch Rekrutierungsschwierigkeiten und finanzielle Folgewirkungen erschweren dies.

Personalbudgets bestimmen den Handlungsspielraum

Zur Steuerung des Grademix bezüglich Kosten nutzen die befragten Personen betriebliche Kennzahlen wie Anzahl Überstunden, Fluktuationsrate oder Krankheitstage. Als kostenwirksam wurde dabei der kompetenzgerechte Einsatz der Mitarbeitenden, über alle Qualifikationsstufen hinweg, beschrieben. Im Allgemeinen gibt jedoch das jeweilige Budget die Höhe der Personalausgaben vor und bestimmt dadurch letztendlich auch den Grademix mit. Je nach Betrieb ist dabei mehr oder weniger Handlungsspielraum vorhanden. Auch der vorherrschende Spardruck und die betriebswirtschaftliche Ausrichtung des jeweiligen Betriebes beeinflussen die wahrgenommene Arbeitsbelastung der Pflegemitarbeitenden und tragen dadurch ihren Teil zur Personalfluktuation bei.

Sicherung der Pflegequalität kann zu personellen Änderungen führen

In allen Betrieben werden Indikatoren zur Beurteilung der Pflegequalität erhoben. Die Befragten nannten hierfür Dekubitus, Sturz, Mangelernährung, Schmerzen, Polymedikation oder bewegungseinschränkende Massnahmen. Zudem gibt die Mehrheit der interviewten Personen an, dass in ihren Betrieben Handlungsanweisungen, Pflegestandards oder Richtlinien zur Qualitätssicherung vorhanden sind. Ebenso tragen Rückmeldungen der Angehörigen und die stete Optimierung der Arbeitsabläufe – verbunden mit klaren Aufgabenzuteilungen und Verantwortlichkeiten – zur Sicherung der Pflegequalität bei. Insbesondere in grossen stationären sowie ambulanten Betrieben wurden zur Sicherung und Steuerung der Pflegequalität zudem Pflege- und Wundexperten sowie Bildungs-, Prozess- oder Qualitätsverantwortliche angestellt. Diese Anpassung der Personalzusammensetzung soll zu einer Verbesserung der Pflegequalität beitragen.

Zusammengefasst kann festgestellt werden, dass für die gelingende Zusammenarbeit von Pflegenden unterschiedlicher Qualifikationsstufen das Vorhandensein von Stellenbeschreibungen, Funktionsbeschreibungen und Kompetenzkatalogen als förderlich erlebt wird. Als hemmend hingegen werden die Rekrutierungsschwierigkeiten genannt. Im Allgemeinen gibt jedoch das jeweilige Budget die Höhe der Personalausgaben vor und bestimmt dadurch letztendlich auch den Grademix mit.


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