Die Informatikbranche muss ihre Attraktivität für Frauen verbessern

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Frau in einer IT-Klasse

Die fortschreitende Digitalisierung der Gesellschaft ist eng mit Weiterentwicklung von Informatikprodukten und -dienstleistungen verknüpft. Dass der Frauenanteil in diesem Bereich äusserst gering ist, ist nicht nur wegen dem befürchteten Fachkräftemangel problematisch. Das Forschungsprojekt „Women in Information Management and ICT“ des BFH-Zentrums Soziale Sicherheit kommt zum Schluss, dass die Branche für die Behebung dieses Defizits einen weitreichenden kulturellen Wandel benötigt.

Das Phänomen des tiefen Frauenanteils in Berufen der Informations- und Kommunikationstechnik (ICT) ist nicht neu. Erstaunlich ist aber, dass sich dieser Anteil in den letzten Jahren nicht steigern liess und dies trotz zahlreicher Initiativen, Projekte und neu geschaffener Ausbildungsgänge. In der Schweiz arbeiten in ICT-Berufen gerade mal 15% Frauen. Dieser niedrige Anteil ist aus diversen Gründen problematisch: Erstens werden zentrale Schlüsseltechnologien von kaum diversifizierten Belegschaften konzipiert. Gerade bei einem Megatrend wie der Digitalisierung der Gesellschaft, welcher die Arbeits- und Lebenswelten prägen und verändern wird, stellt eine einseitige Branchen-Perspektive jedoch ein gesellschaftliches Riskio dar. Zweitens werden durch die fehlende Vielfalt in Arbeits- und Projektteams viele Möglichkeiten zu innovativeren Produktentwicklungen verpasst. Und drittens ist der geringe Frauenanteil für die ICT-Branche auch aufgrund des befürchteten Fachkräftemangels ein Problem.

Mit den vielfältigen und komplexen Gründen dieser weiblichen Unterpräsenz haben sich in den letzten 20 Jahren zahlreiche Studien beschäftigt. Im Forschungsprojekt „Women in Information Management and ICT (WimIN)“ der Berner Fachhochschule ging es aber weniger darum, diese Gründe aufzudecken, sondern viel mehr zu untersuchen, warum Frauen einen ICT Beruf ergreifen und welche Herausforderungen sie zu meistern haben, wenn sie nach dem Studium im Beruf Fuss fassen. Weiter wurde erforscht, wie Unternehmen die jungen Informatikerinnen einschätzen, in welchen Berufsrollen diese eingesetzt werden und ob Frauen dadurch als Produzentinnen von Informatikprodukten – und somit in gewissem Masse auch von der Digitalisierung – ausgeschlossen werden.

Berufliche Perspektiven fehlen

Dank der Studie konnten zahlreiche und teilweise überraschende Aspekte des beruflichen Einpassungsprozesses von jungen Informatikerinnen in ICT-Berufsrollen aufgezeigt und daraus konkrete Handlungsfelder abgeleitet werden. So scheitert das Engagement von Frauen im ICT-Bereich nicht allein aufgrund persönlicher Neigungen und Interessen sondern ebenso an den beruflichen Perspektiven, die jungen Frauen im diesem Berufsfeld geboten werden. Dabei gibt es für ICT-Unternehmen diverse Möglichkeiten, wie sie die Attraktivität von ICT-Berufsfeldern für Frauen steigern können. Zentral dabei sind die Verfügbarkeit familiärer Rollenmodelle und die Form der Arbeitsorganisation. Ebenso zeigte sich, dass Frauen aufgrund einer stereotypisierten Zuordnung sozial-kommunikativer und organisatorischer Fähigkeiten häufig an der Kundenschnittstelle eingesetzt werden. Zum einen sind Teilzeitstellen in diesem Bereich rar, zum anderen bedeutet dies auch eine Herauslösung aus der eigentlichen ICT-Entwicklung und Produktion.

Die Herausbildung von attraktiven Berufsrollen im ICT-Bereich erfordert einen kulturellen Wandel in der Arbeitsorganisation von ICT-Unternehmen und ist nicht über Nacht erreichbar. Die an der Studie beteiligten Partner-Unternehmen zeigten sich jedoch sehr offen für solche Veränderungen. Und zusammen mit einer zunehmenden Sensibilierung für die Problematik können bereits jetzt erste Schritte in die richtige Richtung unternommen werden.

 


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