Das Potenzial digitaler Hilfen für mehr Autonomie im Alter

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Apps und Wearables sind geeignet, um das selbstbestimmte und gesunde Altern zu fördern. Dafür müssen sie aber von hoher inhaltlicher Qualität sein, die Bedürfnisse von älteren Menschen berücksichtigen und die Nutzenden vor Fehlinformation und Datenschutzverletzungen schützen.

Den Wunsch, möglichst lange in der vertrauten Umgebung unabhängig und sicher zu altern, teilen die meisten Menschen. Hier bieten Apps und Wearables – wie z.B. Smartwatches oder Fitnessarmbänder – das Potenzial, die Gesundheit und Unabhängigkeit im Alter zu fördern. Sie unterstützen beispielsweise soziale Kontakte oder die tägliche Bewegung und erhöhen, beispielsweise durch Alarmfunktionen, die Sicherheit. Zudem sind sie kostengünstig, einfach zu bedienen und nicht stigmatisierend.

In der Schweiz fehlt eine Regulierung für die Entwicklung, Veröffentlichung und Vermarktung von Apps und Wearables, solange sie nicht als Medizinprodukt registriert sind. Ebenso fehlen Vorschriften in Bezug zur Qualität, Richtigkeit des Inhalts, Wirksamkeit oder Nachhaltigkeit. Und die Nutzenden entscheiden oft selbst, welche Tools sie für welchen Zweck einsetzen. Trotz des grossen Potenzials ist es somit unklar, welche Apps und Wearables über die nötige Qualität verfügen, um ältere Menschen tatsächlich zu unterstützen.

Sieben Themenbereiche und unzählige Apps

Beim von der BFH zusammen mit der ZHAW durchgeführten Forschungsprojekt «Digitale Alltagshilfen zur Unterstützung der Autonomie im Alter» standen daher folgende Fragen im Zentrum: Wie können Apps und Wearables ältere Menschen im Alltag unterstützen? Welche Vor- und Nachteile hat der Einsatz? Welche Voraussetzungen sollten sie erfüllen? Wie hoch ist die Qualität von Apps und Wearables in der Schweiz?

In Interviews und Fokusgruppen mit älteren Menschen, Angehörigen, Gesundheitsfachpersonen und Expert*innen wurden sieben zentrale Themenbereiche identifiziert, in denen digitale Technologien älteren Menschen Unterstützung bieten können:

  • Alltagsunterstützung
  • soziale Interaktion und Kommunikation
  • Aktivität und Mobilität
  • Sicherheit und Notfallmanagement
  • Gesundheitsinformation
  • Gesundheit und Wohlbefinden
  • Früherkennung und Diagnostik

Als Hindernisse für die Nutzung dieser Hilfen wurde die niedrige inhaltlicher Qualität, die fehlende Nutzerzentrierung und die ungenügende Bedienbarkeit genannt. Auch gibt es verbreitete Bedenken hinsichtlich Datenschutz und -sicherheit. Als weitere Spannungsfelder wurden die dynamische Entwicklung der Technologien und der individuelle Alterungsprozess identifiziert.

Die Qualitätsbeurteilung der kommerziell verfügbaren Apps und Wearables in der Schweiz zeigte auch, dass in den App-Stores eine kaum überschaubare Vielzahl an Apps verfügbar ist. Doch nur ein sehr kleiner Teil ist tatsächlich für ein selbstbestimmtes und gesundes Altern relevant. Und es bestehen sehr grosse Unterschiede hinsichtlich der Inhalte, Qualität und Sicherheit dieser Apps und Wearables. Die gute Nachricht: Für jeden der sieben Themenbereiche ist mindestens eine App oder Wearable mit hoher Qualität verfügbar.

Geringe Nachhaltigkeit

Während des Projekts wurde zudem die enorme Entwicklungsgeschwindigkeit von Apps und Wearables sichtbar. Bereits innerhalb weniger Monaten war ein nicht unerheblicher Anteil der Apps und Wearables nicht mehr verfügbar. Diese Unbeständigkeit und verminderte Nachhaltigkeit stellen eine grosse Hürde dar. Damit Apps und Wearables zur Unterstützung des selbstbestimmten Alterns eingesetzt werden können, müssen sie zuverlässig funktionieren. Auf eine App zur Medikationserinnerung oder ein Wearable zur Sturzerkennung muss man sich verlassen können.

Aufgrund der fehlenden Richtlinien macht die unglaublich hohe Anzahl an Apps und Wearables deren passende Auswahl für Nutzende schwierig. Die Einführung solcher Richtlinien ist eine der Handlungsempfehlungen , die im Projekt entwickelt wurden, damit diese Technologien sinnvoll einsetzbar werden. Ebenfalls ist es zwingend, dass die Qualität von einer unabhängigen Stelle überprüft wird und diese Informationen zugänglich sind. Die Inhalte von Apps und Wearables sollten zudem auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und deren Nutzbarkeit überprüft worden sein.

Qualitätsansprüche älterer Menschen

Für ältere Menschen ist es wichtig, dass Apps und Wearables einfach und intuitiv zu bedienen sind. Die im Projekt formulierten Nutzungsempfehlungen halten für sie und ihre Angehörigen fest, was sie bei der Wahl von Apps und Wearables beachten sollen. Beispielsweise sollte die Schriftgrösse individuell angepasst werden können oder auf eine übersichtliche Darstellung mit wenig Text geachtet werden. Die Nutzungsbestimmung und Datenschutzerklärung sollten einfach zugänglich und in leicht verständlicher Sprache verfasst sein und transparent darlegen, wo die Daten gespeichert werden und was mit den Daten geschieht. Die Nutzenden müssen darüber entscheiden können, mit wem sie welche Daten teilen möchten.

Da ältere Menschen die Expert*innen betreffend der Frage sind, für welchen Zweck sie Apps und Wearables einsetzen möchten, sollten sie von Beginn weg im Entwicklungsprozess eingebunden werden. So kann sichergestellt werden, dass die Aspekte der Barrierefreiheit, Zugänglichkeit und Alltagstauglichkeit entsprechend berücksichtigt werden.

 


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